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Hier wollen wir Euch mit Literaturempfehlungen versorgen.

Die Literatur, die wir Euch hier vorstellen möchten, ist von uns gelesen und getestet worden und soll Euch helfen den Berufswunsch zu konkretisieren oder die verschiedenen Hürden bis zum Ausbildungsstart - im besten Falle bei der Ortspolizeibehörde - zu meistern.



"Die erste Leiche vergisst man nicht - Polizisten erzählen"


"Jeden Tag den Tod vor Augen - Polizisten erzählen"


"Die Angst ist dein größter Feind - Polizistinnen erzählen"


Hsg.:    Volker Uhl

Verlag: Piper

www.polizei-poeten.de




Leseprobe aus "Die Angst ist dein größter Feind - Polizistinnen erzählen"


Janine Binder "Sieben Tage und Nächte" (S. 25)


"...

Tim kommt mir auf dem Flur entgegen. "Pack deine Tasche, wir müssen los. Da turnt wer auf der Autobahn herum."

Ich folge ihm zügig zum Auto und wir brausen mit Blaulicht durch die Nacht.

Tatsächlich, auf dem Seitenstreifen steht jemand. Stocksteif steht er da und starrt den Autos nach. Wir steigen aus.

"Hallo?" Rufe ich.

Langsam dreht der Mann uns den Kopf zu. Es ist dunkel und ich erkenne nicht sofort, was mit ihm los ist und schimpfe erstmal. "Was machen sie da? Sind Sie denn lebensmüde, das hier ist eine Autobahn und keine Turnhalle."

"Hause?" Er zieht die Schultern hoch und den Kopf ein. Ich leuchte ihn mit meiner Lampe an.

"Bringen mich zu Hause?" Er streckt mir eine Hand entgegen.

"Der hat ja nur nen Schlafanzug an." bemerke ich wenig taktvoll.

Tim fängt sich als Erster wieder und geht vertrauensselig auf den Mann zu.

"Klar Kumpel, wir bringen dich nach Hause. Wo musst du denn hin?"

Der Kopf von ihm ruckt vor und zurück und wackelt dann hin und her. Plötzlich leuchten seine Augen auf, während links von uns der Verkehr vorbei donnert, reißt er sich seinen Schlafanzug runter und hält Tim das Etikett hin.

"Da zu Hause!" sagt er stolz und mir fällt auf, dass er auch keine Schuhe anhat.

Tim liest: "Marienheim Erftkreis, Betreutes Wohnen für besondere Menschen!"
"Das kenne ich, dann lass ihn uns mal dahin fahren"
Ich räume den Rücksitz frei, während die "Jungs" sich unterhalten. Hannes ist dreißig, leidet am Down-Syndrom und hat sich wohl mit seiner Freundin gestritten, dann ist er weggerannt und nun weiß er nicht mehr, wie er nach Hause kommt. Vor dem Polizeiwagen hat er ein wenig Angst und wie geplant hinten sitzen, will er auch nicht. Er ist nämlich schon groß und darf vorne sitzen, IMMER! Außerdem bin ich kleiner als er, also soll ich nach hinten, sonst fährt er nicht mit.
Tim und ich tauschen kurz Blicke, er zuckt die Achseln und ich setzte mich vorschriftswidrig auf den Rücksitz. Hannes steigt ein, schnallt sich an und freut sich jetzt doch wie ein Schneekönig, dass er in einem Polizeiauto fahren darf.
Die Leitstelle teilt uns mit, dass er mittlerweile auch gesucht wird.
Wir bringen ihn nach Hause ins Heim. Zum Abschied, werden wir beide heftig umarmt, dann verschwindet er mit seiner Freundin Hand in Hand im Wohnheim. Der Streit scheint vergessen.
Die Nachtschwester guckt uns zerknirscht an. "Wir haben sofort gemerkt dass er weg ist und ihn überall gesucht, tut mir leid, dass sie ihn herbringen mussten. So etwas hat er wirklich noch nie gemacht."
..."



j.eilers@polizei.bremerhaven.de